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Videospiel Harry Potter und der Halbblutprinz (Permalink)

So realistisch wie möglich

Die Macher des neuen Harry Potter Videospiels verfolgen ein ehrgeiziges Ziel - der Spieler soll sich im virtuellen Hogwarts ganz zu Hause fühlen und die magische Welt so flexibel wie möglich erleben können. Dabei soll das Spiel eine gute Mischung aus abenteuerlichen Missionen und zauberhaften Spielchen für Zuhause bieten. Wie das genau aussieht? Wir haben das Game für euch schon mal in den Studios gezockt.

Besuch in den Bright Light Studios in Großbritannien: hier arbeiten Produzenten, Designer und Programmierer an dem wohl spektakulärsten Blockbuster-Game des Jahres.

"Wir haben mit dem Orden des Phönix die Messlate sehr hoch gelegt", findet Darren Potter, der in den Bright Light Studios des Herstellers Electronic Arts die Harry Potter Games entwickelt und produziert. Und tatsächlich wurde in diesem Spiel erstmals Hogwarts komplett erkundbar gemacht, das Hogwarts-Gelände aus der Buchvorlage wurde vollständig nachgebaut und den Spielern blieb die freie Entscheidung, ob sie gerade Lust auf eine aufwändige Mission oder nur ein bisschen 'herumgucken' hatten.

Der Orden des Phönix wurde seinerzeit mit komplett neuem Konzept produziert - das weiter zu übertreffen ist eine echte Herausforderung. Die Entwickler haben aus den Rückmeldungen der Fans aus allen Ländern gelernt und weitere Verbesserungen eingebaut. Viele stecken dabei im Detail, erhöhen aber weiter das Spielvergnügen für Fans des Zauberlehrlings.

Der am häufigsten genannte Wunsch liegt wohl auf der Hand: endlich wieder Quidditch! In Harry Potter und der Halbblutprinz werden Spieler zum ersten Mal seit dem eigenständigen Quidditch-Videospiel wieder die Möglichkeit haben, eine Partie Quidditch zu zocken. Das Quidditch-Stadion wurde eigens dafür in das Spiel integriert, nach den Originalvorlagen aus dem Film modelliert und bietet nicht nur an "Spieltagen" eine tolle Atmosphäre.


Harry Potter fängt den Schnatz. Grafik: EA.

Überhaupt wurde noch verstärkt auf Designs und Vorlagen aus den Filmen gesetzt. So wurden diverse Baupläne von den Set-Designern angefordert, die Blueprints einzelner Filmszenen wurden für die Hintergründe und viele Spielorte verwendet und die Entwickler fuhren mehrfach zum Filmset, um dort zu fotografieren und zu recherchieren. Auch das offizielle Drehbuch und sogar kleine Stoff-Fetzen aus der Filmrequisite wurden den Game-Produzenten für ihre Arbeit überlassen.

Steuerung noch flexibler und intuitiver

Art Director Kelvin Tuite (rechts) und Producer Darren Potter (kein Witz, mitte) spielten mit Fansite-Betreiber Jonas Hahn einige Szenen aus dem Game an.

Gerade auf einer stationären Konsole wie Nintendo Wii lassen zeigt sich die Weiterentwicklung, die diese Harry Potter Reihe über die lange Entwicklungszeit hinweg erfahren hat: mit Controller und Nunchuck lassen sich mit den passenden Bewegungen Zaubertränke mischen, Quidditch-Games gewinnen und Zauberduelle mit wirkungsvollen Flüchen durchführen. Die Figuren reagieren dabei so auf die Hand- und Körperbewegungen, dass zu viele Moves nicht schaden und man sich dadurch regelrecht austoben kann.

Richtig viel Arbeit wurde in die Animation der Figuren und ihre Optimierung gesteckt. Hier war den Entwicklern wichtig, dass noch mehr Bewegungen möglich waren (jede Figur hat einen eigenen Movement Tree mit zum Teil Dutzenden möglichen Bewegungsabläufen zugeordnet bekommen) und ein Großteil der Sequenzen wurde von Hand animiert. Wo Input fehlte, haben Statisten vor der Filmkamera mit einer speziellen Motion Capture Software Bewegungen nachgemacht und damit dafür gesorgt, dass echte menschliche Bewegungen im Spiel platziert wurden. Um realistische Moves auf dem Quidditch-Besen zu bekommen, hat ein Entwickler in seiner eigenen Küche ein Holzgestell gebastelt, auf dem dann ein Stuntman die passenden Bewegungen simuliert hat. "Uns war wichtig, einen nie da gewesenen Spielfluss ins Game zu bringen", so Producer Darren Potter.

Dead Ends aus dem letzten Spiel weiter ausgebaut

Kelvin Tuite, Art Director im Harry Potter Team hat sich vor allem um die Handlungsorte gekümmert: "Es gab tatsächlich noch einige wenige tote Winkel auf dem Hogwarts-Gelände, oder auch Orte, die im Orden des Phönix einfach noch nicht bekannt waren" - Diese Dead Ends sind nun im Halbblutprinzen ausgebaut und für den Spieler begehbar. So erfährt der Spieler, was unterhalb der Eulerei angesiedelt ist, wo sich die vier Duellier-Areas der einzelnen Häuser befinden, wie es hinter den Gewächshäusern von Hogwarts weitergeht und vom Bootshaus des Schlosses aus hat er einen fabelhaften Panorama-Blick auf das gesamte Gebiet der Zauberschule. Wo sich die Künstler bei der Gestaltung unsicher waren, haben sie sich sogar zusätzliche Informationen von Joanne K. Rowling als Autorin der Serie beschafft, die über das aus den Büchern und Filmen bekannte hinausgehen.


Blick auf Hogwarts von Hagrid's Hütte. Grafik: EA.

Kelvin hat sämtliche Locations, die die Harry Potter Welt kennt, logisch verknüpft und mit den Büchern und Filmen abgeglichen. Seine "Link Map" war so gut, dass sogar die Filmproduzenten auf einzelne Informationen daraus zurückgegriffen haben. "Nur wenige Fans wären so verrückt, sich diese Arbeit zu machen", meint Kelvin Tuite mit breitem Grinsen.

Neben großen Neuerungen überraschen viele kleine Details

Hermine aus dem Videospiel gleicht sich immer mehr an ihre Vorlage Emma Watson aus der Verfilmung an. Die meisten Charactere werden für jedes Game neu entwickelt, um den natürlichen Alterungsprozess abzubilden.

Die Kleiderordnung und der Himmel passt sich den Tageszeiten an, Hermine's Haare wehen bei schnellen Bewegungen noch realistischer und viele Nebensächlichkeiten allein, wie zum Beispiel die Tanzaufführungen des Quidditch-Publikums, sind ein nettes Addon für Zwischendurch. Der eigentliche Trumpf des Spiels liegt in der schnellen Interaktion und der Möglichkeit, frei zu entscheiden, ob man eine aufwändige Challenge kämpfen oder nur ein wenig durch die Zauberwelt wandern möchte. "Wer möchte, bekommt im Spiel alle 10 bis 15 Sekunden eine neue Interaktion", sagt Darren Potter. "Auf den Spieler warten eine Menge toller Aufgaben und wer sich Zeit nimmt, kann vieles entdecken".

Geister helfen als digitales Navigationssystem

Sollte der Spieler - gerade am Anfang - bei der umwerfenden, detailgetreuen und umfangreichen Abbildung der Ländereien den Überblick verlieren, wo er welche Aufgaben erfüllen kann, hilft eine Liste mit allen Herausforderungen und das Help System des Spiels. Wurde die richtige Mission gewählt, führt ein Geist auf dem schnellsten Weg zum Ziel. Stößt man unterwegs auf eine interessante Entdeckung und geht einen Umweg, macht das nichts. Wie ein echtes Navigationssystem berechnen die Geister die schnellste Route einfach neu.


Der Fast Kopflose Nick dirigiert gekonnt durch das weite Netz aus Handlungsorten im Game. Grafik: EA.


Kräftemessen für Magier: auf verschiedenen Duell-Areas wird getestet, wer die besten Sprüche bringt. Dabei kann man natürlich nicht nur gegen den Computer antreten. Grafik: EA.

 

Zahlreiche Schauspieler aus den Harry Potter Filmen haben ihre Gesichter oder sogar ihre Stimmen für das Videospiel hergegeben. Eine Unterschrift ist im Besprechungszimmer des Harry Potter Teams auf jeden Fall zu finden.

Fazit: Viele kleine Verbesserungen, gerade was die noch realistischere Grafik, eine individueller einstellbare Kameraführung und die authentischen Bewegungen der Figuren angeht, stellen schon einen großen Fortschritt dar. Beim Gameplay setzen die Hersteller auf den Wunsch der Fans, neben harten Missionen auch ein wenig in Hogwarts "entspannen" zu können, was sehr abwechslungsreich umgesetzt wurde. Die Grafik ist gerade mit passenden Endgeräten ein echtes Erlebnis, genauso wie der Sound, der nicht nur bei schnellen Szenen im Quidditch-Stadion überzeugt. Mit der richtigen Mischung aus spannendem Erleben einer faszinierenden Welt und packenden Abenteuern rund umn Hogwarts ist auch langfristiger Spielspaß garantiert. Besonders auf der Nintendo Wii ist Harry Potter und der Halbblutprinz ein phänomenales Videospiel und nicht nur für eingefleischte Fans eine tolle Unterhaltung.

 

Hinweis: diese Rezension basiert auf der englischsprachigen Nintendo Wii Version des Games. Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe.

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